Warum tut ein Tag im Wald eigentlich so wahnsinnig gut? Liegt es an den Trails? Am Flow? An den Likes für das Selfie im Holzfäller-Hemd? Ein Blick in wissenschaftliche Studien zeigt: weder noch. Verantwortlich sind schlichtweg körperliche Reaktionen, denen Sie sich gar nicht widersetzen können.

Die Augen schließen. Einatmen. Ausatmen. Die Geräusche um Sie herum wahrnehmen: das Rascheln der Baumkronen in Wind, der Ruf eines Kuckucks, das Gegurgel eines Waldbaches. Der harzige Geruch der Fichten mischt sich mit dem von feuchter Erde. Dann plötzlich: Stille. Sie öffnen die Augen, und es geht Ihnen einfach nur gut. Warum eigentlich?

Wahrscheinlich: weil die Trails so flowig sind, weil Sie frei haben, weil der Wald halt einfach „schön“ ist.

Es liegt am Wald selbst. Er wirkt auf Sie wie Medizin.

Was passiert mit dem Körper im Wald?

Menschen mögen den Wald – so weit, so gut. Aber wie lässt sich diese Vorliebe – jenseits von allgemeinen Theorien – erklären? Was passiert mit uns im Wald? Um diese Frage zu beantworten, schickten Wissenschaftler in einem Feldexperiment zwei Vergleichsgruppen los, eine in den Wald und die andere in die Stadt. Bei den Versuchspersonen beider Gruppen wurden über mehrere Tage verschiedene Reaktionen des Körpers gemessen und verglichen. Und siehe da:  bei den Waldbesuchern sank Blutdruck. In ihrem Speichel wurden signifikant geringere Cortisol-Werte gemessen, die ein Index für Stressreaktionen sind. Die Pulsfrequenz verringerte sich, und das bereits kurz nach dem Eintreten in den Wald. All dies sind Zeichen, die auf körperliche Erholungs- und Regenerationsprozesse hindeuten. Und so überrascht es auch nicht, dass sich die Waldbesucher der Studie insgesamt wohler, beruhigter und erfrischter fühlten. Bei den Stadtbesuchern konnte keine dieser Reaktionen gemessen werden.

Doch nicht nur das Nervensystem wurde vom Wald beeinflusst, auch im Immunsystem wurden Veränderungen festgestellt. In einer anderen Studie wurden bei Personen, die sich drei Tage im Wald aufhielten, eine erhöhte Anzahl und stärkere Aktivität natürlicher Abwehrzellen nachgewiesen. Bei einigen Versuchspersonen erhöhten sich sogar Anzahl und Aktivität sogenannter natürlicher Killerzellen – die erkrankte Körperzellen (z.B. virusinfizierte Zellen und Tumorzellen) erkennen und zerstören. Auch nach 30 Tagen waren diese Zellen noch aktiver als bei Vergleichspersonen, die sich statt der drei Tage im Wald in der Stadt aufgehalten hatten. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Pflanzenstoffe in der Luft für diesen Effekt verantwortlich sind.

Fazit: Der Wald macht gesund – nutzen wir das!

Wenn es Ihnen im Wald gut geht, dann liegt das nicht an Ihrem Hang zur Romantik. Es hat auch nichts mit Esoterik zu tun. Sondern mit Biologie. Die österreichische Sekundärstudie, der alle hier zitierten Studien entnommen sind, kommt deshalb auch zu dem eindeutigen Fazit, dass der Wald sowohl psychische als auch physische Gesundheitswirkungen besitzt. Im Wald setzt Ihr Körper ganz automatisch Erholungs- und Regenerationsprozesse in Gang. Weniger negative, mehr positive Emotionen, weniger Stress, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit sind die Folgen.

Das ist Urlaub in Deutschland, allein im Wald, nicht überlaufen, keine Restaurant-Vorbestellungen nötig, leere Radwege und kurze stressfreie Anreise, denn das Gute liegt so nah.